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LEISTUNGSTEST Kaufmännische Software Komplettpakete 01/2020

Kategorie: Aktuelle Ausgabe

Gewerbe ohne Blindflug

Auch für Kleinbetriebe ist eine kaufmännische Software heute unabdingbar. Alternativ zu klassischen Varianten kommen dabei inzwischen auch Cloud-Dienste infrage. Ihr Vorteil liegt vor allem im flexiblen Einsatz auf PC, Smartphone oder Tablet, während gängige Programme im Detail oft besser ausgestattet sind. FACTS hat sich vier Softwarepakete und drei Cloud-Dienste genauer angesehen. 

Eine professionelle kaufmännische Software gehört zur Grundausstattung für Unternehmen und Freiberufler. Selbst diejenigen, die ihre Buchhaltung dem Steuerberater überlassen, müssen immer noch Rechnungen schreiben und ganz im Blindflug sollten sie Geschäfte auch nicht betreiben.

Kleinbetriebe haben die Wahl: Sie können eine Software kaufen oder die Funktionen als Cloud-Dienst mieten. Technisch betrachtet sind beide Varianten geeignet. Entscheidend sind allein die betrieblichen Anforderungen – und ob das Unternehmen ein Problem damit hat, Daten in einem anonymen Rechenzentrum zu speichern.
 
Kaufmännische Einsteiger sollten nicht allein auf den Funktionsumfang achten, sondern sich eingehend mit Benutzerführung und Anwenderunterstützung auseinandersetzen – gerade hier gibt es spürbare Unterschiede. Im Zweifel lohnt es sich, kostenlose Testphasen zu nutzen oder Demoversionen auszuprobieren.

FACTS wollte es genauer wissen und nahm deshalb sowohl Softwareprogramme als auch Cloud-Dienste unter die Lupe.


KLASSISCHE SOFTWAREPAKETE


Klassische Softwarepakete können Betriebe und Selbstständige wahlweise im Handel oder als Download erwerben. Sie sind anschließend lokal zu installieren und manuell zu warten. Die meisten Systeme gibt es zu mieten oder zu kaufen. Weil der Kaufpreis nur mit einer einjährigen Nutzung verbunden ist, führt beides aufs Gleiche hinaus.

LEXWARE FINANCIAL OFFICE BASIS 2020

Als einzige Software im Testfeld wird Lexware financial office basis 2020 mit Lohnbuchhaltung ausgeliefert – und hat damit in puncto Ausstattung die Nase vorn. Auftragsbearbeitung und Finanzbuchhaltung komplettieren das Paket.

Obgleich es sich genau genommen um drei Einzelprogramme handelt, sind diese doch sauber integriert: Wenige Handgriffe genügen, um Buchungsdaten aus Lohnbuchhaltung und Auftragsbearbeitung in den Buchungsstapel der Finanzbuchhaltung zu übernehmen, dort zu prüfen und anschließend zu verarbeiten. Ein Pluspunkt ist die gelungene Anwenderunterstützung in allen drei Programmbereichen. Mit Funktionen wie Abo-Rechnungen, Kreditlimits oder Bestellvorschlägen bewegt sich die Software auf einem für eine Einstiegslösung erstaunlich hohen Niveau. Neue Funktionen gibt es vor allem in der Auftragsbearbeitung zu entdecken: Hier ist etwa ein Eigenverbrauchsrechner hinzugekommen, mit dem sich unentgeltliche Wertabgaben – etwa für den kostenlosen Strom für E-Autos auf dem Firmenparkplatz – berechnen lassen.

SAGE 50 CLOUD STANDARD

Die kaufmännische Software Sage 50 Cloud ist in den Bereichen Auftragsbearbeitung und Finanzbuchhaltung ähnlich gut ausgestattet, allerdings fehlt hier die Lohnbuchhaltung.

Die Software lässt sich monatlich oder jährlich buchen und wird laufend aktualisiert. Ergänzt wurden zuletzt einige Komfortfunktionen in der Auftragsbearbeitung. Hier kann man jetzt aus einem Angebot einzelne Positionen auswählen und in Auftragsbestätigung, Lieferschein oder Rechnung überführen. Wenn am Ende nicht alle Positionen bestellt werden, spart man sich aufwendige manuelle Eingriffe. Beim Dokumentenversand haben es Nutzer nun einfacher, den Schriftverkehr mit Templates zu organisieren. Wem der Standard nicht genügt, kann Funktionen wie die Anbindung an Microsoft Office 365 oder das gut ausgestattete Kassenmodul hinzubuchen.

WISO EÜR & KASSE 2020

WISO EÜR & Kasse 2020 (EÜR für Einnahmen-Überschuss-Rechnung) kombiniert Auftragsbearbeitung und Buchhaltung, wobei lediglich die Einnahmen-Überschuss-Rechnung unterstützt wird. Eine Mehrplatzversion gibt es nicht, doch lässt sich die Datenbank bequem – und auf eigenes Risiko – via Cloud-Speicher zwischen mehreren Rechnern synchronisieren.

Neben der Windows- gibt es auch eine Mac-Version. In Sachen Schnittstellen kann die Software neben dem Datenaustausch mit dem Finanzamt auch mit einer Anbindung an die Steuersoftware WISO steuer:Sparbuch aufwarten. Zudem lassen sich Daten aus Homebanking-Lösungen importieren.

WISO MEIN BÜRO 365 PLUS

Im Vergleich zur Vorjahresversion hat Hersteller Buhl Data gleich an mehreren Schrauben gedreht, um WISO Mein Büro 365 zu verbessern. Am auffälligsten ist die Option, parallel mit zwei Instanzen zu arbeiten. Ebenso nützlich ist eine weitere neue Funktion, die es erlaubt, in Angeboten Alternativposten einzufügen, deren Kosten nicht auf die Gesamtsumme addiert werden. Weitere Ergänzungen gab es beim Onlinebanking, das nun auch Terminüberweisungen beherrscht.

WISO Mein Büro ist eine Mischung aus Office-Paket und kaufmännischer Software und für jene Nutzer interessant, die in beiden Bereichen mit einer Software arbeiten wollen. Das schlanke System lässt sich bei Bedarf um unzählige Zusatzmodule erweitern. In Sachen Buchhaltung beherrscht 
WISO Mein Büro 365 Plus lediglich die EÜR.

KlassischeKaufmSoftware

KAUFMÄNNISCHE PAKETE 
AUS DER CLOUD

Ein großer Vorteil von Cloud-Lösungen liegt in ihrer Flexibilität. Zusätzliche Arbeitsplätze lassen sich per Knopfdruck hinzufügen und arbeiten kann man mit dem Gerät, das gerade zur Hand ist.

FASTBILL PRO

FastBill Pro kommt ohne eigene Buchhaltung aus. Zielgruppe sind damit vor allem Anwender, die den Papierkram ohnehin dem Steuerberater überlassen.
Kunden- und Artikeldatenbank sind übersichtlich, aber nur durchschnittlich ausgestattet. Zwar wird zwischen Privat- und Geschäftskunden unterschieden, dennoch können auf Artikel- und Kundenebene keine Rabatte hinterlegt werden. Praktisch für Dienstleister, die auf Stundenbasis arbeiten, ist die integrierte Projektzeiterfassung. 
FastBill Pro liefert verkaufsorientierte Zahlen, etwa zum Umsatz oder den offenen Rechnungen.

LEXOFFICE BUCHHALTUNG & BERICHTE

Lexoffice Buchhaltung & Berichte weist mehr als 15 Schnittstellen zu angrenzenden Lösungen wie etwa E-Commerce, E-Rechnungen oder Dokumentenverwaltung auf. Auch der Cloud-Dienst selbst wird laufend erweitert. So ist erst kürzlich die Lohnabrechnung Lexoffice Lohn & Gehalt hinzugekommen, die sich optional buchen lässt und dann eng mit der Buchhaltung verknüpft ist.

Lexoffice verfügt über eine einfach gestaltete Benutzerführung, mit der selbst kaufmännische Einsteiger keine Probleme haben dürften. Es wird belegorientiert gearbeitet, wobei die verschiedenen Geschäftsvorgänge dank vorbelegter Aufklappmenüs schnell verarbeitet sind. Das Dashboard informiert laufend über relevante Kennzahlen wie Umsatz, Kontostand oder Umsatzsteuerzahllast.

SEVDESK BUCHHALTUNG

SevDesk Buchhaltung kombiniert die EÜR mit einer Auftragsbearbeitung. Hinzu kommen Anlagenverwaltung, Kassenbuch und Onlinebanking. Die einzelnen Funktionen sind weitgehend selbsterklärend ausgeführt, hinsichtlich Benutzerfreundlichkeit allerdings ist noch Luft nach oben.

Papierbelege lassen sich mit der mobilen App digitalisieren oder per Drag & Drop einfügen. Vorgänge können auch mobil bearbeitet werden, allerdings nicht auf dem Tablet. Die OCR-Erkennung funktioniert eher suboptimal, denn die meisten Felder sind manuell auszufüllen. In Sachen Auswertungen leistet das übersichtliche Dashboard gute Dienste, während die klassischen druckorientierten Berichte mit EÜR und Umsatzsteuer etwas dünn besetzt sind. 


Vergleichtstest CloudSoftware

WER HAT DIE NASE VORN?


Im Rahmen des Vergleichs der verschiedenen Anwendungen kamen die Testredakteure zu folgendem Schluss: Wer als Einsteiger ohne kaufmännische Erfahrung startet, ist mit einem Cloud-Dienst oft besser bedient. Hier wird belegorientiert gearbeitet, ohne klassische Buchungsmaske. Besonders gut hat der Redaktion Lexoffice Buchhaltung & Berichte gefallen: Die Software ist im Wesentlichen selbsterklärend und unterstützt Eingaben durch eine aktive Suchfunktion. Bei klassischen Softwarepaketen hat Lexware financial office 2020 basis die Nase vorn. Grund hierfür: der hohe Funktionsumfang und eine vorbildliche Anwenderunterstützung.

Björn Lorenz

 

Kontakt: 
www.buhl.de
www.lexware.de
www.sage.de
www.fastbill.com
www.sevdesk.de

  

INFO:
Cloud oder Software – Es kommt darauf an …

Ob man in der Cloud oder mit klassischer Software arbeitet, ist eine Frage der persönlichen Präferenz. Cloud-Lösungen lassen sich schnell erweitern, verursachen neben der Miete keine weiteren Betriebskosten und unterstützen flexible Arbeitsweisen. Um sie zu nutzen, muss man allerdings ständig online sein.

Kaufmännische Softwarepakete sind hingegen oft besser ausgestattet. Spezielle Anforderungen wie Lagerwirtschaft, Seriennummern oder Stücklisten lassen sich damit am besten abdecken. Auch Anwenderhilfen wie Fachinformationen oder Trainings sind eher bei klassischer Software zu finden. Am Ende kommt es auf den Einzelfall an.

  


 Fotos: shutterstock

 
 
 

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